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Im Gespräch mit Roland Auxel

By Juni 7, 2021No Comments

Wenn man jemanden kennenlernen möchte, dann spricht man miteinander. Deshalb lade ich regelmäßig Gäste aus meiner Heimat, Vertreter der Politik oder Wirtschaft und Menschen, die irgendwas besonderes machen zum Gespräch ein:

1. Corinna Franke-Wöller: „Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen…,“: Was bedeutet dieses Gleichnis vom reichen Kornbauern für Sie?

Roland Auxel: Für mich bedeutet dieses Gleichnis, dass eine volle Scheune nicht alles ist und Lebensqualität keine mathematische Größe, sondern etwas ganz Individuelles. Ich nehme einen zunehmenden gesellschaftlichen Wandel vom Wachstum zu Nachhaltigkeit und regionaler Wertschätzung wahr und bin auch davon überzeugt, dass wir die vor uns liegenden Herausforderungen nur so bewältigen können.

2. Bannewitz liegt eng an Dresden geschmiegt. Die „Erdbeeren“ (Karls-Erdbeerhof) hatten bei der Bevölkerung und der Kommunalpolitik ja keine Chance. Welche Potentiale für die Zukunft sehen Sie als stellvertretender Bürgermeister für den Ort?

Dieses spezielle Projekt war noch nicht ganz reif, denn: gescheitert ist es am Grundstück. Wie es bei großen Vorhaben immer der Fall ist, bewegt und polarisiert es die Menschen – ich habe bei den Einwohnern und, nachdem die Gemeinderäte sich mit Herrn Dahl austauschen konnten, auch im Rat eine mögliche Mehrheit gesehen. Unabhängig davon verbindet Bannewitz die Landeshauptstadt mit dem südlichen Umland. Mit dieser Voraussetzung sehe ich vor allem bei den Infrastruktur-Themen: ÖPNV und Verkehrssteuerung, moderne Energieversorgung und Sektorenkopplung, nachhaltige Quartiersentwicklung, ein großes Potential. Zudem braucht es in einer Gemeinde wie Bannewitz immer einen Ausgleich zwischen Ortsentwicklung, Naturräumen und Lebensqualität, mit Bezug zu Wirtschaft, Kultur und Geschichte, zum Vereinsleben und zur Bildung.

3. Viel und gut steht selten beisammen, und derjenige, welcher an seinen Freund schrieb: »Ich habe nicht Zeit gehabt, mich kürzer zu fassen«, wusste, daß nicht das Viele, sondern das Wenige schwer ist.“ schreibt der „Bannewitzer“ Gelehrte Johann Joachim Winckelmann im 18. Jahrhundert. Heute ist viel „Kommunikation“ ein MUSS für die meisten. Wann oder worüber würden Sie sich heute „WENIGER“ Kommunikation wünschen?

Vor allem die Kommunikation und Informationswege der Sozialen Medien scheinen sich zunehmend zu vervielfachen. Dabei wird es auch schwieriger, die Qualität zu ergründen. Im Ergebnis sind Inhalte schnell veröffentlicht und verbreitet, aber das Einordnen und Überprüfen nimmt umso mehr Zeit in Anspruch. Hier würde ich mir wünschen, dass jeder selber etwas mehr Zeit investiert und nicht jeden, vielleicht auch verkürzten, Inhalt direkt als unwidersprochene Wahrheit entgegennimmt. Ich begrüße den Ansatz, schon in der Schule das Überprüfen von Quellen zu unterrichten. Auch den Weg der Rechtsprechung, zwischen Meinung und Fakten zu unterscheiden und Meinung von Verleumdung und Beleidigung zu trennen, halte ich für sinnvoll. Und für die Politik sollte gelten: klar und schnörkellos zu kommunizieren. Zudem identifiziere ich mich mit dem sächsischen Ansatz, auch den öffentlich rechtlichen Rundfunk hinsichtlich seines wichtigen Auftrages zur kommentarlosen Sachberichterstattung regelmäßig zu überprüfen.

4. Wenn Sie Bannewitz einem Fremden zeigen würden, was stünde bei Ihnen auf dem Plan?

Mit dem Lerchenberg, der Babisnauer Pappel, der Goldenen Höhe und dem Marienschacht gibt es markante Landschaftspunkte, von denen man große Teile unserer Ortschaften im Blick hat. Die jeweilige Perspektive lässt die besonderen Wahrzeichen und Naturmarken, zwischen Elbtal und Gebirge, gut erkennen. Und mit diesen Eindrücken kann man dann auch einen kleinen Blick auf die Seele unserer Gemeinde gewinnen: Gemeindeleben mit Landwirtschaft, viel Grün und Natur.

5. Was wären aus Ihrer Sicht die wichtigsten Themen, die Sie einer/einem Bundestagsabgeordneten in den Rucksack packen würden?

Nach den letzten Jahren wäre es mir vor allem wichtig, den Rucksack regelmäßig gemeinsam im Wahlkreis zu packen und im Ergebnis zu sehen, dass dieser Weg in beide Richtungen wiederhergestellt und gelebt wird und vor allem auch Wirkung entfalten kann. Besonders die benannten großen Infrastrukturprojekte benötigen verlässliche und wirkungsvolle Partner auf Landes- und Bundesebene. Darüber hinaus ist ein gut funktionierendes Netzwerk auch für andere wichtige Themen von Vorteil: Bei der (Weiter-) Entwicklung unserer Sport- und Schulstandorte benötigen wir genauso Unterstützung, wie bei der Kultur- und Denkmalpflege. Zudem müssen wir bspw. unsere Feuerwehrfahrzeuge dringend in den Blick nehmen.

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