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Im Gespräch mit Ralf Rother

By April 5, 2021Mai 5th, 2021No Comments

Wenn man jemanden kennenlernen möchte, dann spricht man miteinander. Deshalb lade ich regelmäßig Gäste aus meiner Heimat, Vertreter der Politik oder Wirtschaft und Menschen, die irgendwas besonderes machen zum Gespräch ein:

1. Corinna Franke-Wöller: Du bist mit Leidenschaft Wilsdruffer. In Coronazeiten packt aber dennoch viele von uns das Fernweh. Wohin träumst Du Dich manchmal in diesen Zeiten?

Ralf Rother: Ich hatte das große Glück, kurz vor Corona im letzten Jahr, noch zum Trekking in Patagonien unterwegs zu sein. Eine herrliches Stück Landschaft. An die Erlebnisse denke ich gern zurück.

2. Seit vielen Jahren bist Du Bürgermeister in Wilsdruff. In dieser Zeit hattest Du viele wichtige Themen auf Deiner Agenda. Was war für Dich bislang die größte Herausforderung und welches Erlebnis hat Dich am stärksten motiviert?

Das war ganz eindeutig unser Wilsdruffer Gymnasium. Es hat richtig Spaß gemacht das Projekt voran zu treiben. Und die größte Motivation sind die lachenden Kinderaugen. In Bildung zu investieren gibt einfach ein sehr gutes Gefühl.

3. Existenzangst, Aggressivität, Unzufriedenheit „mit denen da oben“ sind gerade sehr dominant in unserer Gesellschaft. Es gibt aber auch die vielen kleinen schönen Momente. Was hat Dich in der Coronazeit besonders positiv berührt?

Es gibt nicht „die da oben“. Wir sitzen alle in einem Boot und statten in Wahlen einzelne Menschen mit besonderer Verantwortung aus. Entscheidungen zu kritisieren ist immer einfacher als sie zu treffen. Was mich gefreut hat ist, dass der örtliche Handel und die Regionalität durch die Schließung eine besondere Beachtung bekommen haben. Ich hoffe sehr, wenn die Durststrecke endlich überstanden ist, dass dann auch alle die tollen Angebote vor Ort nutzen werden.

4. Die mittelständische Wirtschaft auch in Wilsdruff ist unzufrieden mit der derzeitigen Lage, obwohl es staatliche Unterstützungsangebote gibt, von denen Unternehmen in anderen Ländern nur träumen können. Sind wir in Deutschland zu chaotisch, langsam und unflexibel für die Wirtschaft bzw. was braucht es aus Deiner Sicht für die Unternehmen hier vor Ort?

Was überhaupt nicht geht, ist die schleppende Auszahlung der Unterstützung. Das fühlt sich an wie Fremdschämen.

Ich denke unser größtes Problem ist die Bürokratie. Sie lähmt die Unternehmer. Es muss wieder viel mehr Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung geben. Ein Unternehmer geht ein persönliches Risiko ein, gibt anderen Menschen Arbeit und Auskommen, schafft Werte für die Gesellschaft und ermöglicht erst alle sozialen Annehmlichkeiten. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist soziale Verantwortung. Hier fehlt mir oft die Wertschätzung dieser Leistung.

5. Die Sehnsucht nach Normalität ist bei uns allen groß. Ich freue mich zum Beispiel auf den nächsten James Bond im Kino. Worauf freust Du Dich?

Ich freue mich auf eine herzliche Umarmung mit Freunden bei einem gemeinsamen Grillabend.

6. Was wären aus Deiner Sicht die wichtigsten Themen, die Du einer Bundestagsabgeordneten in den Rucksack packen würdest?

Zunächst würde ich mich freuen, wenn wir in Berlin als Region überhaupt wieder stattfinden. Die letzten Jahre mit der AfD und dann doch nicht AfD Kandidatin waren ja komplett für den Eimer. Nichts ist passiert. Grundsätzlich denke ich, Berlin muss wieder näher an die Menschen rücken. Raus aus der Glaskugel und ran an den Stehtisch. Dort erfährt man die Themen, die die Menschen vor Ort bewegen.

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