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Im Gespräch mit Markus Dressler

By Juni 15, 2021No Comments

Wenn man jemanden kennenlernen möchte, dann spricht man miteinander. Deshalb lade ich regelmäßig Gäste aus meiner Heimat, Vertreter der Politik oder Wirtschaft und Menschen, die irgendwas besonderes machen zum Gespräch ein:

1. Corinna Franke-Wöller: Lange habe ich als Studentin von einer NOMOS – Uhr aus Glashütte geträumt. Irgendwann lag die Uhr von „Ärzte ohne Grenzen“ unterm Tannenbaum. Dekadent für manche, ich weiß, aber eben auch sächsische Handwerkskunst in ihrer höchsten Form. Wie ist als Glashütter Bürgermeister Dein Draht zu den Zeitmessern?

Markus Dressler: In Glashütte lebt man traditionell von uns mit der Zeit und den Uhren. Nach der Wende hat sich die Uhrenindustrie glücklicherweise erfolgreich neu erfunden, so dass heute wieder mehr Mitarbeiter bei den verschiedenen Marken arbeiten als Glashütte selbst Einwohner hat. Und klar, als Bürgermeister ist man auch für die Uhrenindustrie und auch überregionale Medien in der Region der erste Ansprechpartner und steht in einem engen Austausch. Auf dem Weg habe ich die handwerkliche Kunst, die in den Glashütter Uhren steckt, die Liebe für das Detail und die ganz allgemein die klassische Mechanik sehr schätzen gelernt und mich vor einiger Zeit auch für eine NOMOS entschieden.

2. Die Uhrenindustrie in Glashütte agiert global: Sie sucht national und international nach Fachkräften und ist auf Messen in der ganzen Welt vertreten. Wenn ich im Ausland erkläre, wo ich herkomme, muss ich Dresden bemühen und in manchen Kreisen nur Glashütte erwähnen. Wie erlebst Du in Glashütte die Spannung zwischen „Laptop und Lederhose“ oder auf sächsisch „Weltklasse-Uhren und Eierschecke“?

Tatsächlich ist der Spagat zwischen internationaler Luxusmarke und ländlichem Raum in Glashütte besonders präsent. Ich habe mich in meiner Arbeit vor allem auf die großen Themen „gestürzt“, mich bemüht, die Stadt gut und würdig zu vertreten, Unternehmen zu helfen und Arbeitsplätze entstehen zu lassen und Steuereinnahmen zu sichern. Dies hat mir an manchen Stellen den Ruf eingebracht, nur die Interessen der Uhrenindustrie zu vertreten. In dem Sinne hätte ich wohl manchmal ein bisschen mehr Eierschecke essen sollen. Dies empfehle ich jedenfalls meinem Nachfolger.

3. Du wechselst bald nach Pirna und wirst Dich als Beigeordneter um die Planung großer Projekte kümmern. Worauf freust Du Dich in Deiner neuen Funktion und was bereitet Dir Sorge?

Pirna ist eine lebendige Wachstumsstadt mit einer unglaublich schönen Altstadt. In so einem Umfeld arbeiten zu dürfen ist schon ein Privileg. Und den Weg der Kreisstadt mitgestalten zu können und dabei Wachstum und Erhalt, Fortschritt und Tradition zusammen zu denken und im Blick zu haben, fühlt sich herausfordernd und spannend an. Ich freue mich auf die Aufgaben, die Menschen, die Mitarbeiter und die schöne Stadt.

4. Deine Familie ist Dir schon immer sehr wichtig: In Coronazeiten ist es aber für alle nicht einfach, den täglichen Familienfrieden zwischen Homeoffice und Homeschooling aufrecht zu erhalten. Der IPad-Konsum meines Sohnes entspricht definitiv nicht der naseweisen Ratgeberliteratur. Was hat bei Euch gut geklappt, um die Kinder bei Laune zu halten? Hast Du einen Tipp?

Ich habe das Glück, dass meine Frau in Vollzeit die Familienmanagerin ist und wir damit natürlich viel besser mit der Coronazeit umgehen konnten. Klar, der fehlende geregelte Ablauf hat auch bei zu der einen oder anderen Herausforderung geführt. Aber die Kinder haben das wirklich gut gemeistert und der Papa ist da stolz.

5. Was wären aus Deiner Sicht die wichtigsten Themen, die Du einer/einem Bundestagsabgeordneten in den Rucksack packen würden?

Grundsätzlich stehen zwei Kernaufgaben für einen MdB. Erstens die Region in Berlin vertreten und dafür zu sorgen, dass wir wahrgenommen werden und ab und an auch mal bei einem Fördermittelverfahren oder einer Ansiedlung zu helfen. Mindestens genauso wichtig finde ich aber, dass die Abgeordneten aber auch an den großen Themen, die ganz Deutschland und unsere gemeinsame Zukunft betreffen mitwirken. Abgeordnete, die Mitglied einer Regierungsfraktion sind, haben hier natürlich ganz andere Möglichkeiten aktiv zu gestalten, denn zum Gestalten braucht es immer Mehrheiten und Netzwerke. Meine Wunschliste ist natürlich ziemlich lang und reicht von der Stärkung der Familien, der Sicherung des Industriestandorts Deutschland durch Innovation und Entwicklung, der Stärkung der Eigenverantwortung des Einzelnen und ja, auch dem Mut, Klimaschutz ernst zu nehmen und als Chance zu sehen. Ich drücke dir die Daumen, dass du in Berlin künftig auch an diesen Themen mitwirken kannst und bin mir sicher, dass ich mich durch dich gut vertreten fühlen werde, als Familienvater genauso wie als Kommunalpolitiker.

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